
Der Facebooker – Virtuell ein Revoluzzer, aber in echt zu faul um auf die Straße zu gehen.
Seit April 2011 hänge ich nun auf Facebook herum. In dieser Zeit ist mir eines ganz besonders aufgefallen. Wie sehr die Deutschen von Doppelmoral, Gutmenschsein und Stammtischniveau geprägt sind. Dazu kommt noch, das der Deutsche anscheinend vor allem eines ist. Nämlich rappelfaul.
Egal zu welchem Thema. Es gibt auf Facebook immer einen, der ein sogenanntes Kettenposting los tritt. Es wird sich in diesem Postings über alles mögliche aufgeregt. Sei es, dass in der Ukraine Hunde für die EM getötet werden, oder ob der Spritpreis in Deutschland steigt. Auch die Milliardenhilfen für die Griechen sind immer ein beliebtes Thema, das in meinen Mitmenschen anscheinend den unwiderstehlichen Drang auslöst, zum Thema entweder eigenen verbalen Smog abzulassen – oder noch schlimmer – den vorgekauten Sermon von anderen Menschen weiter zu “teilen”. Dabei wird nicht mal darauf geachtet, das man sich zum Teil auf ein absolut indiskutabeles Stammtischniveau begibt.
Der deutsche Facebooker zeigt gern, das er mitfühlend ist. Das er sich für die Schwachen einsetzt und das er das Leben über alles liebt und respektiert. Der Deutsche Facebooker wird nicht müde, seinem Umfeld mitzuteilen wie gut er ist, wie sehr er sich engagiert und das alles anders laufen würde, wenn er nur etwas zu sagen hätte.
Er protestiert gern, prangert gerne an und ist politisch sehr aktiv. Auch ist er ein besserer Bundestrainer als Jogi Löw und ein besserer Kanzler als unsere Frau Merkel. Eigentlich ist der deutsche Facebooker der perfekte Mensch. Erhaben, ehrlich und edelmütig. Erretter der Jungfrauen und Beschützer der Witwen und Waisen…
Und da wären wir beim eigentlichen Problem…
Denn das ist der deutsche Facebooker leider nur am Computer. Wenn es darum geht, dieses Engagement in die wirkliche Welt zu übertragen, kneift er und wird nicht müde, passende Gründe dafür zu präsentieren, warum er das nicht machen kann. Da ist er dann doch zu gemütlich, als das er seinen (sorry) faulen, fetten Arsch hoch bewegt, um auf die Straße zu gehen und sich aktiv für die Dinge einsetzt, mit denen er seinen Facebook-Freunden Tag für Tag auf den Sender geht.
Es ist leicht aus der Ferne die Ukraine dafür zu verurteilen, wie sie streunende Hunde tötet. Wenn es aber darum geht, eines dieser Tiere zu adoptieren, haben sämtliche Leute zu kleine Wohnungen, oder gleich eine komische Allergie gegen Hunde. Es ist leicht aus der Ferne unsere politische Führungsriege als blöd und inkompetent hinzustellen und es ist vor allem auch leicht, den Sinn und Zweck von Hilfen für EU Staaten zu kritisieren, obwohl man nicht mal ansatzweise versteht, warum das absolut notwendig ist. In einer Partei politisch aktiv ist jedoch keiner der Beschwerdeführer.
Schwer hingegen ist es, gegen die Tiertötungen in der Ukraine auf die Straße zu gehen, der FIFA aktiv auf den Sack zu gehen und WIRKLICH alle Fußballspiele in der EM 2012 zu boykottieren. Auch die Produkte der Sponsoren wie Krombacher und Coca Cola müsste man ja dann meiden. Schwer ist es auch, sich aktiv politisch in einer Partei zu engagieren und daran mit zu arbeiten, das die aktuell regierende Politiker-Seilschaft sich nicht gegenüber dem Bürger alles herausnehmen kann, was sie will. Und schwer ist es auch, sich in die Verwicklungen der EU Staaten einzulesen und zu verstehen, warum man ein EU Mitglied in der Währungsunion halten muß, auch wenn das keinem gefällt.
Es erfordert halt Einsatz, kostet Zeit, Kraft und vor allem Engagement, all diese Dinge von denen man auf Facebook nur labert dann auch wirklich zu tun. Da ist es doch viel bequemer, mit dem fetten Arsch auf dem Sofa zu sitzen und in Facebook so zu tun, als sei man der Retter der Welt, während man Cola oder Krombacher säuft und Fussball schaut.
Da ist es natürlich leichter am 01.03 nicht tanken zu fahren und sich selbst zu belügen weil man einen Tag vor oder nachher tanken war und eigentlich eh nicht vor hatte am 01.03 zu tanken, oder (und das war wirklich der absolut krasseste Event, den ich jemals auf Facebook gesehen habe) an einer virtuellen Lichterkette, zum Gedenken an die Opfer von Norwegen teilzunehmen.
Ja leck mich doch am Arsch. Wie strunzfaul muss man eigentlich sein, wenn man seinen Arsch nicht mal mehr vor die Türe bewegt, um eine scheißverdammte Kerze anzuzünden?